Strategien und Werkzeuge für die Umnutzungsplanung

In der Umnutzung bzw. Sanierung von baulichem Bestand liegt die Zukunft der Baubranche. Eine wirtschaftlich effiziente und ressourcenschonende Bauabwicklung setzt eine gute Planung als Grundlage voraus. Diese beginnt mit einer fundierten Informationsbeschaffung und umfassender Geometrieerfassung. Die gegenwärtige Situation weist diesbezüglich jedoch erhebliche Defizite in Bezug auf eine kontextbezogene, strukturierte, unterstützende dreidimensionale und digitale Bauaufnahme auf. Das Erfassen, Einpflegen und Verarbeiten von Daten erfolgt bislang größtenteils analog, sodass planerische Diskrepanzen, damit einhergehende Verzögerungen im Planungs- und Bauablauf und unvorhersehbare Probleme entstehen.

Problem

Aufgrund der größeren Dynamik der demografischen Entwicklungen gegenüber der baulichen Strukturen ergibt sich die Notwendigkeit von Umnutzungen, die zwingend unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenschonung zu planen und zu realisieren sind. Ein grundhaftes Umdenken in der Bauwelt ist daher erforderlich. Gegenwärtig fehlt es hierfür an Konzepten und zukunftsrobusten Strategien für eine effiziente und ressourcenschonende Umnutzungsplanung. Der Anteil von Projekten im Bestand wächst dennoch unaufhaltsam. In der Planung und Ausführung dieser Baumaßnahmen treten jedoch oftmals Probleme und Verzögerungen auf, die mit dem Umgang mit vorhandenen Bauteilen, fehlenden oder unzureichenden Informationen und daraus resultierenden technischen als auch finanziellen “Überraschungen“ einhergehen. Ausgangspunkt einer jeden Planung im Bestand bildet daher die umfassende Aufnahme der Bausubtanz. Der Status quo, das heißt Bauweise, Materialien als auch Mängel, wird als Grundlage aller Maßnahmen festgesetzt. Ein durchgängig digitaler und strukturierter Bauaufnahmeprozess könnte somit planerische als auch finanzielle Diskrepanzen minimieren.

Ansatz

Die gezielte Verwendung digitaler Werkzeuge, die schnell kontextbezogene verlässliche Informationen liefern, könnte die Einschätzung der Potenziale bestehender baulicher Strukturen in den in Bezug auf Kosten- und Ressourcenverbrauch entscheidenden frühen Entwurfsphasen präzisieren. Die geometrische Raumerfassung erfolgt gegenwärtig überwiegend händisch mit Distanzmesser, Tachymeter oder Laserscanner. Die erfassten Daten werden anschließend meist im Büro ausgewertet und weiterverarbeitet. Die Auswertung und der Abgleich zwischen Bausubstanz und Planung ist somit momentan vor Ort, d.h. auf der Baustelle, kaum möglich. Der Einsatz moderner digitaler Technologien, insbesondere die Verwendung von Augmented und Virtual Reality, könnte hier die Lösung darstellen. Fokus des Forschungsprojekts ist somit die Adaptierung und der darauffolgende Einsatz von Datenbrillen im Bereich der Bestandsdatenerfassung. Die Aufnahme der Raumgeometrie wäre mit Hilfe der in oder an der Brille integrierten optischen als auch sensorischen Einheiten in Echtzeit möglich. Nach der Übertragung auf ein Endgerät (Tablet, Smartphone etc.) könnten durch die Verwendung neuartiger Softwarelösungen zwei- bzw. dreidimensionale Informationen dargestellt sowie zusätzliche Angaben, wie beispielsweise Mängel, ergänzt werden.

Veröffentlichungen

1) Seifert, S.; Salm, L.: „Auswertung Umfrage: Umgang mit Informationen - Datennutzung im Planungsalltag“, Empirische Studie, durchgeführt im 06/2018 mit dem Umfragetool EvaSys und dem Qualitätsmanagement der HTWK Leipzig, ResearchGate, Leipzig 2019

2) Seifert, S.; Salm, L.: „Im Auge des Entwerfers - Datenbrillen als Aufmaßwerkzeug des Architekten“, Abstract zur Nachwuchswissenschaftlerkonferenz an der HS Merseburg, Leipzig 2019

3) Salm, L.: „Building Cities – Aspekte einer nachhaltigen Stadtentwicklung im Zuge des demographischen Wandels und der Digitalisierung der Gesellschaft“, Masterthesis, Leipzig 2016

4) Seifert, S.: „Actor Architect- Die Entwicklung eines Leistungsbildes im Spiegel des demografischen Wandels", Masterthesis, Leipzig 2016

Lehrtätigkeit

Salm, L.: Kontextuelles Entwerfen III. / WS 2017/18 / HTWK Leipzig / Professur Tragwerkslehre / Entwurfsmodul / 5. Semester Bachelorstudiengang Architektur / 8 SWS / 12 ECTS / Seminare / Hilfsdozent und Betreuer

Seifert, S.: Kontextuelles Entwerfen III. / WS 2017/18 / HTWK Leipzig / Professur Tragwerkslehre / Entwurfsmodul / 5. Semester Bachelorstudiengang Architektur / 8 SWS / 12 ECTS / Seminare / Hilfsdozent und Betreuer